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Agenturverwaltung: Prozesse, Kennzahlen und Software

Die fünf Kernprozesse der Agenturverwaltung, die vier Kennzahlen, die wirklich etwas aussagen — und welche Software welchen Prozess abdeckt, mit Preisen.

by Agency Stack Team2026-09-048 min reading time

Agenturverwaltung ist die Summe der Prozesse, die zwischen dem Auftrag und dem Geld liegen: Angebote schreiben, Projekte steuern, Zeiten erfassen, abrechnen und auswerten. Sie ist selten das, wofür eine Agentur gegründet wurde — und trotzdem entscheidet sie darüber, ob gute Arbeit auch profitable Arbeit ist.

Die Kurzfassung: Fünf Prozesse gehören dazu — Angebot, Projektsteuerung, Zeiterfassung, Abrechnung und Controlling. Bis etwa zehn Personen lassen sie sich mit zwei bis drei Tools abdecken. Ab dann lohnt ein System, in dem sie zusammenhängen, weil die Übergaben sonst mehr kosten als die Lizenzen.

Was zur Agenturverwaltung gehört

Der Begriff wird unterschiedlich weit gefasst. Praktisch nützlich ist diese Abgrenzung: Zur Agenturverwaltung gehört alles, was nicht die Kundenleistung selbst ist, aber nötig, um sie zu planen, zu messen und abzurechnen.

Das sind fünf Prozesse:

  1. Angebot und Auftrag — vom Lead über die Kalkulation bis zur Auftragsbestätigung
  2. Projektsteuerung — Aufgaben, Termine, Zuständigkeiten, Kapazitäten
  3. Zeiterfassung — welche Stunde ging in welches Projekt
  4. Abrechnung — Rechnungsstellung, Zahlungseingang, Mahnwesen
  5. Controlling — Auslastung, Deckungsbeitrag, Forecast

Nicht dazu gehören Buchhaltung im engeren Sinn, Lohnabrechnung und Steuererklärung. Die grenzen an, werden aber in der Regel von Steuerberatung und Fachsoftware übernommen.

Die fünf Kernprozesse im Detail

Angebot und Auftrag

Hier entsteht die Zahl, an der später alles gemessen wird. Der häufigste Fehler ist, das Angebot als Verkaufsdokument zu behandeln und nicht als Kalkulationsgrundlage: Wenn im Angebot „Konzeption: pauschal" steht, lässt sich hinterher nicht sagen, ob die Konzeption profitabel war.

Ein brauchbares Angebot enthält deshalb intern immer eine Aufwandsschätzung pro Position — auch dann, wenn der Kunde nur die Pauschale sieht.

Projektsteuerung

Aufgaben, Termine, Zuständigkeiten. Der Teil, den die meisten Tools gut können und der deshalb selten das eigentliche Problem ist. Interessant wird es erst bei der Kapazitätsplanung: Die Frage ist nicht, was zu tun ist, sondern wer nächste Woche noch Luft hat.

Zeiterfassung

Der unbeliebteste und wichtigste Prozess. Ohne erfasste Zeiten gibt es keine Aussage über Rentabilität — jede Deckungsbeitragsrechnung ist dann geraten. Die Erfassung scheitert fast nie an der Software, sondern daran, dass niemand erklärt hat, wozu sie dient. Details dazu stehen in unserem Leitfaden zur Zeiterfassung für Agenturen.

Abrechnung

Aus Leistung wird Geld. Der Punkt, an dem sich rächt, wenn Zeiten unvollständig erfasst wurden: Was nicht erfasst ist, wird nicht abgerechnet. Bei Aufwandsprojekten geht der Fehler direkt in die Marge.

Zweiter kritischer Punkt ist die Geschwindigkeit. Eine Rechnung, die drei Wochen nach Projektende geschrieben wird, wird auch drei Wochen später bezahlt.

Controlling

Die Auswertung, aus der Entscheidungen folgen sollten — und die in vielen Agenturen einmal im Jahr beim Steuerberater stattfindet. Zu spät, um noch etwas zu ändern.

Die Kennzahlen, die tatsächlich etwas aussagen

Auslastung. Anteil der abrechenbaren Stunden an den verfügbaren. Unter 60 % wird es eng, über 90 % ist kein Erfolg, sondern ein Warnsignal — dann fehlt die Zeit für Akquise und Weiterentwicklung.

Deckungsbeitrag pro Projekt. Erlös minus direkt zurechenbare Kosten. Die einzige Zahl, die verrät, welche Kunden sich lohnen. Sie ist regelmäßig überraschend: Der größte Kunde ist selten der profitabelste.

Realisierter Stundensatz. Projekterlös geteilt durch tatsächlich geleistete Stunden. Die Differenz zum kalkulierten Stundensatz ist das ehrlichste Maß für die Qualität der Schätzung.

Forderungslaufzeit. Tage zwischen Rechnung und Zahlungseingang. Beeinflusst die Liquidität direkter als jede Umsatzsteigerung.

Diese vier reichen. Wer mehr misst, ohne die vier im Griff zu haben, verwechselt Reporting mit Steuerung.

Welche Software deckt welchen Prozess ab

ToolAngebotProjekteZeitenAbrechnungControllingEinstieg
MOCOjajajajastark15 €/Nutzer/Mo
helloHQjajajajaja30 €/Nutzer/Mo
easyJOBjajajajastarkauf Anfrage
Teamleaderjajajajabegrenzt25 €/Nutzer/Mo
aworkneinstarkjaneinbegrenzt15 €/Nutzer/Mo
Stackfieldneinjaneinneinnein12 €/Nutzer/Mo
Papierkramjabegrenztjajabegrenztab 8 €/Monat

Die Einordnung folgt den dokumentierten Funktionsumfängen der Anbieter; die Preise sind die öffentlich kommunizierten Einstiegspreise.

Die Tabelle zeigt die eigentliche Entscheidung: awork deckt Angebot und Abrechnung nicht ab, MOCO deckt alles ab — bei identischem Preis. Das klingt nach einem klaren Sieger, ist aber keiner: awork ist bei Projektsteuerung und Kapazitätsplanung deutlich stärker. Welche Lücke dich mehr kostet, hängt von deiner Agentur ab. Der Direktvergleich geht das im Detail durch.

Ab wann lohnt sich ein eigenes System?

Bis 5 Personen. Tabellenkalkulation plus ein Buchhaltungstool reicht oft. Der Aufwand, ein System einzuführen, übersteigt in dieser Größe meist den Nutzen. Papierkram ist hier der günstigste sinnvolle Einstieg.

5–15 Personen. Die Phase, in der Tabellen kippen: mehrere Projekte parallel, mehrere Leute, die Zeiten erfassen, erste Abstimmungsverluste. Jetzt lohnt sich ein System — MOCO oder helloHQ, je nachdem, wie viel Prozessabdeckung du brauchst.

Ab 15 Personen. Ohne System entstehen Kosten, die niemand als solche verbucht: doppelte Datenpflege, Rückfragen, verspätete Rechnungen. Die Frage ist hier nicht mehr ob, sondern welches.

Ein realistischer Blick auf den Einführungsaufwand lohnt sich vorher — wie solche Projekte typischerweise scheitern, steht in Agentursoftware einführen.

Drei Fehler, die teuer werden

Zeiten nachtragen statt erfassen. Wer freitags die Woche rekonstruiert, produziert Zahlen, die plausibel aussehen und falsch sind. Jede darauf gebaute Auswertung ist wertlos.

Das System nach dem größten Funktionsumfang auswählen. Features, die niemand nutzt, kosten trotzdem — in Lizenz, Einarbeitung und Konfigurationsaufwand. Der Nutzen entsteht durch die drei Funktionen, die täglich benutzt werden.

Controlling einmal im Jahr. Eine Auswertung, die nach Jahresabschluss kommt, ist Buchhaltung, keine Steuerung. Monatlich reicht — aber es muss monatlich sein.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Agenturverwaltung und Agentursoftware? Agenturverwaltung ist der Prozess, Agentursoftware das Werkzeug. Eine Agentur ohne Software hat trotzdem eine Agenturverwaltung — nur eben in Tabellen, E-Mails und Köpfen. Eine Übersicht über die Werkzeuge gibt unser Vergleich der Agentursoftware-Lösungen.

Reicht ein Buchhaltungstool für die Agenturverwaltung? Für sehr kleine Teams oft ja. Buchhaltungslösungen wie Papierkram bringen Zeiterfassung und Projektbudgets mit. Was fehlt, ist Kapazitätsplanung — die wird relevant, sobald mehrere Leute gleichzeitig verplant werden müssen.

Wie viel Zeit kostet Agenturverwaltung? Das ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Wie viel kostet es, sie nicht zu machen? Nicht abgerechnete Leistung, zu spät bemerkte Budgetüberschreitungen und Zahlungsausfälle sind in Summe fast immer teurer als der Verwaltungsaufwand.

Können wir das an einen Dienstleister auslagern? Buchhaltung und Lohn ja, das ist Standard. Projektsteuerung, Zeiterfassung und Controlling nicht — die setzen voraus, dass jemand die laufende Arbeit kennt. Auslagern lässt sich die Auswertung, nicht die Datenerhebung.