Zeiterfassung ist der Prozess, an dem in Agenturen die Rentabilität hängt — und der Prozess, gegen den sich Teams am zuverlässigsten wehren. Dieser Artikel vergleicht sechs Lösungen, ordnet sie nach DACH-Tauglichkeit ein und beantwortet die Frage, die am häufigsten gestellt wird: Spezialtool oder integriert?
Die Kurzfassung: Wenn Zeiterfassung dein einziges Problem ist, ist Clockify ab 3,99 € der günstigste solide Einstieg. Wenn die Zeiten in eine Rechnung münden sollen, spar dir das Spezialtool und nimm eine Lösung, die beides kann — MOCO oder awork. Die bekanntesten Zeiterfassungstools sind ausgerechnet die mit der schwächsten DACH-Tauglichkeit.
Zwei Wege: Spezialtool oder integrierte Lösung
Das Spezialtool macht eine Sache und macht sie gut: Zeiten erfassen, Berichte erzeugen, fertig. Günstig, schnell eingeführt, geringe Hürde im Team. Der Preis dafür ist eine Schnittstelle — die erfassten Zeiten müssen für die Abrechnung irgendwie in ein anderes System.
Die integrierte Lösung erfasst Zeiten als Teil der Projektsteuerung. Der Weg von der Stunde zur Rechnung ist durchgängig, das Controlling stimmt automatisch. Dafür zahlst du pro Nutzer mehr und bindest dich an ein größeres System.
Die Entscheidung hängt an einer Frage: Wird aus den erfassten Zeiten eine Rechnung? Wenn ja, ist die Schnittstelle der Kostenpunkt, nicht die Lizenz.
Die Tools im Vergleich
| Tool | Ausrichtung | Einstiegspreis | Bewertung | DACH-Tauglichkeit |
|---|---|---|---|---|
| MOCO | integriert | 15 €/Nutzer/Mo | 4,7 | 9,5 |
| awork | integriert | 15 €/Nutzer/Mo | 4,6 | 9,0 |
| Papierkram | Buchhaltung + Zeiten | ab 8 €/Monat | 4,3 | 9,5 |
| Toggl Track | Spezialtool | 9 €/Nutzer/Mo | 4,6 | 6,0 |
| Clockify | Spezialtool | 3,99 €/Nutzer/Mo | 4,5 | 6,0 |
| Harvest | Spezialtool + Rechnung | 10,80 €/Nutzer/Mo | 4,4 | 5,0 |
Bewertungen aus unserem Raster über elf Dimensionen, Preise sind die öffentlich kommunizierten Einstiegspreise.
Der unbequeme Befund
Sortiere die Tabelle nach Bekanntheit, und du bekommst fast exakt die umgekehrte Reihenfolge der DACH-Tauglichkeit. Toggl Track, Clockify und Harvest sind die Namen, die in jedem englischsprachigen Vergleich oben stehen — und liegen bei uns zwischen 5,0 und 6,0. Die Lösungen mit 9,0 bis 9,5 kennt außerhalb des deutschsprachigen Raums kaum jemand.
Das ist kein Qualitätsurteil. Toggl Track ist mit 4,6 hervorragend bewertet und in der Bedienung kaum zu schlagen. Es heißt: Bei den internationalen Tools musst du mehr selbst regeln — Buchhaltungsexport, Support in deiner Zeitzone, Vertragsprüfung, Rechnungslayout. Bei Harvest kommt hinzu, dass die integrierte Rechnungsstellung nicht für den deutschen Markt optimiert ist; die Funktion, die den Aufpreis rechtfertigen soll, ist hier also nur eingeschränkt nutzbar.
Welche Agentursoftware bietet die beste Zeiterfassung?
Kurz: Unter den integrierten Lösungen MOCO — die erfassten Zeiten fließen direkt in Rechnung und Soll-Ist-Vergleich. Wer vor allem Auslastung planen will, ist mit awork besser bedient, muss die Abrechnung aber woanders lösen.
Die Frage nach der „besten Zeiterfassung" führt in die Irre, weil alle genannten Tools Zeiten zuverlässig erfassen. Der Unterschied liegt darin, was danach passiert:
- MOCO verknüpft die Stunde mit Budget, Rechnung und Deckungsbeitrag. Wer wissen will, ob ein Projekt Geld verdient hat, bekommt hier die klarste Antwort.
- awork verknüpft die Stunde mit Kapazitätsplanung. Wer wissen will, wer nächste Woche noch Luft hat, ist hier richtig — eine Abrechnung gibt es nicht.
- Papierkram verknüpft die Stunde mit der Buchhaltung. Für sehr kleine Teams die kürzeste Strecke von der Leistung zur Steuererklärung, für wachsende Agenturen schnell zu schlank.
- Toggl Track und Clockify verknüpfen sie mit gar nichts — und genau das ist ihr Vorteil, wenn du nur messen und nicht steuern willst.
Eine ausführlichere Gegenüberstellung der integrierten Lösungen steht im Direktvergleich awork vs. MOCO vs. easyJOB.
DSGVO: worauf bei Zeiterfassung besonders zu achten ist
Zeiterfassungsdaten sind Verhaltensdaten von Beschäftigten. Sie sind damit sensibler als die meisten anderen Daten in einer Agentur, und die Anforderungen an ihre Verarbeitung sind entsprechend höher.
Die Punkte, die vor einer Toolentscheidung geklärt sein sollten:
- Auftragsverarbeitungsvertrag. Ohne AVV mit dem Anbieter geht es nicht. Bei europäischen Anbietern ist er Standard, bei US-Anbietern prüfenswert im Detail.
- Serverstandort und Unterauftragnehmer. Nicht nur, wo der Anbieter sitzt, sondern wo die Daten liegen — und wer sie noch verarbeitet.
- Zweckbindung. Zeiterfassung zur Projektkalkulation ist etwas anderes als Leistungskontrolle einzelner Mitarbeitender. Der Zweck sollte dokumentiert und kommuniziert sein.
- Mitbestimmung. Wo ein Betriebsrat existiert, ist die Einführung eines Zeiterfassungssystems in aller Regel mitbestimmungspflichtig.
- Löschfristen. Wie lange werden Einzelzeiten aufbewahrt, und was passiert danach?
Zur Rechtslage selbst: Für Arbeitgeber in Deutschland besteht eine Pflicht zur Erfassung der Arbeitszeit. Was das konkret für deine Agentur bedeutet — Umfang, Form, Fristen —, ist eine Frage an Anwalt oder Steuerberatung, nicht an einen Softwarevergleich. Dieser Artikel ist ausdrücklich keine Rechtsberatung.
Aus Toolsicht bleibt festzuhalten: Die Lösungen mit hoher DACH-Tauglichkeit machen diese Punkte einfacher, weil AVV, Serverstandort und Support auf den europäischen Markt ausgelegt sind. Das ist der praktische Wert der 9,0-plus-Bewertung.
Warum Zeiterfassung im Team scheitert
Fast nie an der Software. Die drei Muster, die sich wiederholen:
Der Zweck ist nicht erklärt. Wer Zeiterfassung einführt, ohne zu sagen wofür, bekommt Kontrollverdacht. Der Unterschied zwischen „wir wollen sehen, ob unsere Projekte sich rechnen" und „wir wollen sehen, was ihr macht" entscheidet über die Akzeptanz — und muss ausgesprochen werden.
Die Erfassung ist zu aufwendig. Wenn das Buchen einer Stunde vier Klicks und die Suche nach dem richtigen Projekt kostet, wird nachträglich geschätzt. Ein Timer, der mit einem Klick läuft, ist kein Komfortmerkmal, sondern die Voraussetzung für brauchbare Daten.
Niemand schaut hinein. Wenn erfasste Zeiten nie zu einer Konsequenz führen, ist die Erfassung Bürokratie. Sobald das Team im Projektabschluss sieht, wie die Schätzung zur Realität stand, ändert sich die Haltung.
Häufige Fragen
Was kostet Zeiterfassung für eine Agentur? Die Spanne reicht von kostenlos bis rund 15 € pro Nutzer und Monat. Clockify hat einen kostenlosen Plan für unbegrenzt viele Nutzer, Toggl Track einen großzügigen Gratistarif. Bei integrierten Lösungen zahlst du die Zeiterfassung nicht separat — sie ist Teil der Lizenz.
Brauchen wir ein separates Tool, wenn wir schon Projektsoftware haben? In der Regel nein, und zwei parallele Zeiterfassungen sind die zuverlässigste Methode, beide unbeliebt zu machen. Prüfe zuerst, ob dein bestehendes System Zeiten erfasst — awork, MOCO, helloHQ und easyJOB tun das alle.
Ist eine kostenlose Zeiterfassung für Agenturen ausreichend? Für die reine Erfassung ja. Was in den Gratisplänen fehlt, sind die auswertenden Funktionen: detailliertes Reporting, Projektbudgets, Abrechnungsintegration. Genau die machen aus erfassten Zeiten eine Steuerungsgrundlage.
Wie granular sollten Zeiten erfasst werden? So grob wie möglich, so fein wie nötig. Erfassung auf Projektebene reicht für die Rentabilitätsfrage. Erfassung auf Aufgabenebene liefert bessere Schätzgrundlagen für künftige Angebote, kostet aber Disziplin. Auf 15-Minuten-Blöcke herunterzubrechen, bringt in einer Agentur selten mehr Erkenntnis als Aufwand.
Wie fügt sich Zeiterfassung in die restliche Verwaltung ein? Sie ist einer von fünf Kernprozessen — die anderen sind Angebot, Projektsteuerung, Abrechnung und Controlling. Wie die zusammenhängen, steht in unserem Leitfaden zur Agenturverwaltung.
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