easyJOB deckt als Agentur-ERP praktisch jeden Prozess einer Agentur ab — vom CRM über Projektsteuerung und Controlling bis zu Ressourcen- und Materialverwaltung. Wer über einen Wechsel nachdenkt, tut das selten wegen fehlender Funktionen. Dieser Artikel geht Modul für Modul durch, was sich womit ersetzen lässt, und benennt, was dabei verloren geht.
Die Kurzfassung: Für Agenturen unter 50 Personen ohne Materialwirtschaft ist MOCO die naheliegendste Alternative. Wer vor allem an der Bedienbarkeit scheitert und die Abrechnung anderswo hat, fährt mit awork besser. Wer den vollen Funktionsumfang braucht, wechselt nicht zu einem schlankeren Tool, sondern zu einem anderen ERP — mit entsprechendem Aufwand.
Warum Agenturen von easyJOB wechseln
Nach unserer Bewertung liegt easyJOB bei der DACH-Tauglichkeit mit 9,5 an der Spitze des Felds — und bei der Bedienbarkeit mit 6,0 am unteren Ende. Diese Spreizung erklärt die typischen Wechselgründe:
- Die Oberfläche. Sie ist über Jahre gewachsen und wirkt entsprechend. Für Mitarbeitende, die moderne Cloud-Tools gewohnt sind, ist das eine spürbare Hürde.
- Der Schulungsaufwand. Jede neue Person muss eingearbeitet werden. In Agenturen mit üblicher Fluktuation ist das ein wiederkehrender Posten.
- On-Premise statt Cloud-native. Wartung, Zugriff von unterwegs und Updates verhalten sich anders als bei einer SaaS-Lösung.
- Die Einstiegskosten. Sie liegen deutlich über denen der Cloud-Alternativen, die zwischen 9 € und 30 € pro Nutzer und Monat starten.
Was in dieser Liste nicht vorkommt: fehlende Funktionen. Das ist der entscheidende Punkt für die Auswahl einer Alternative.
Modul für Modul: was sich womit ersetzen lässt
| easyJOB-Modul | MOCO | awork | helloHQ | Teamleader | Scoro |
|---|---|---|---|---|---|
| Projektmanagement | ja | stark | ja | ja | stark |
| Zeiterfassung | ja | ja | ja | ja | ja |
| Controlling / Soll-Ist | stark | begrenzt | ja | begrenzt | stark |
| Rechnungsstellung | ja | nein | ja | ja | ja |
| CRM / Angebote | ja | nein | ja | stark | ja |
| Ressourcenplanung | begrenzt | stark | ja | begrenzt | stark |
| Materialverwaltung | nein | nein | nein | nein | nein |
| Finanzbuchhaltung | nein | nein | nein | nein | nein |
Die Einordnung folgt den dokumentierten Funktionsumfängen der Anbieter.
Die beiden letzten Zeilen sind der ehrliche Teil dieser Tabelle: Materialverwaltung und Finanzbuchhaltung bietet keine der schlanken Alternativen. Wenn du diese Module produktiv nutzt, ist ein Wechsel zu MOCO oder awork kein Oberflächen-Upgrade, sondern ein Funktionsverlust, den du anderweitig auffangen musst.
Die Alternativen im Profil
MOCO — der naheliegende Nachfolger
15 €/Nutzer/Monat, Bewertung 4,7, DACH-Tauglichkeit 9,5
Deckt Projekte, Zeiten, Abrechnung und Controlling ab, ohne den ERP-Overhead. Das Controlling mit Soll-Ist-Vergleich kommt easyJOB inhaltlich am nächsten, bei deutlich einfacherer Bedienung. Schwächen: kein visuelles Board für Aufgaben, begrenzte Drittanbieter-Integrationen, für sehr große Agenturen irgendwann zu eng.
awork — wenn Bedienbarkeit der Grund ist
15 €/Nutzer/Monat, Bewertung 4,6, DACH-Tauglichkeit 9,0
Mit einer Bedienbarkeit von 8,0 das zugänglichste Tool im Vergleich — und damit die direkte Antwort auf den häufigsten Wechselgrund. Der Haken: keine integrierte Abrechnung. Wenn die Rechnungsstellung heute in easyJOB liegt, brauchst du dafür eine zweite Lösung.
helloHQ — die breiteste Abdeckung
30 €/Nutzer/Monat, Bewertung 4,3, DACH-Tauglichkeit 9,5
Vom Lead bis zur Rechnung in einem Workflow — funktional der nächste Verwandte zu easyJOB unter den Cloud-Lösungen. Entsprechend ist auch die Einarbeitungszeit für alle Module höher als bei MOCO, und der Preis pro Nutzer der höchste im Feld.
Teamleader — wenn das CRM im Vordergrund steht
25 €/Nutzer/Monat, Bewertung 4,2, DACH-Tauglichkeit 7,0
CRM, Projektmanagement und Rechnungen in einem europäischen Tool, mit DATEV-kompatiblen Buchhaltungsexporten. Sinnvoll, wenn Vertrieb und Angebotsverwaltung das Schwergewicht sind. Das Projektmanagement ist einfacher als bei den spezialisierten Alternativen.
Scoro — das andere Ende der Skala
26 €/Nutzer/Monat, Bewertung 4,5, DACH-Tauglichkeit 5,0
Lückenloser Workflow von Angebot bis Rechnung, starke Ressourcenplanung und Dashboards. Von allen hier genannten am ehesten ein easyJOB-Ersatz im Funktionsumfang — allerdings mit komplexer Einrichtung und der schwächsten DACH-Tauglichkeit im Feld. Wer wegen des Aufwands wechselt, tauscht ihn hier teilweise nur um.
Stackfield — wenn Datenschutz das Motiv ist
12 €/Nutzer/Monat, Bewertung 4,4, DACH-Tauglichkeit 9,5
Kein vollwertiger easyJOB-Ersatz — Abrechnung und Controlling fehlen. Aber der günstigste Einstieg mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und deutschen Servern, wenn der Wechsel vor allem von Compliance-Anforderungen getrieben ist.
Was du beim Wechsel verlierst
Drei Dinge, die in Alternativen-Listen selten stehen:
Die Prozesstiefe. Ein ERP bildet Abläufe ab, die über Jahre gewachsen sind — Freigabestufen, Kostenstellen, mehrstufige Kalkulationen. Schlanke Tools erzwingen einfachere Prozesse. Das ist oft ein Gewinn, aber nie kostenlos.
Die Historie. Jahre an Projektdaten, Kalkulationen und Kundenhistorie lassen sich selten vollständig migrieren. Plane vor dem Wechsel, welche Daten wirklich mitmüssen und welche in einem Archiv ausreichen.
Die eine Person, die alles weiß. In jeder easyJOB-Agentur gibt es sie. Ihr Wissen ist an das System gebunden und verliert beim Wechsel an Wert — während gleichzeitig alle anderen neu lernen müssen.
Vor dem Wechsel: vier Fragen
- Welche Module nutzt ihr tatsächlich? Nicht welche lizenziert sind — welche in den letzten sechs Monaten benutzt wurden. Die Liste ist regelmäßig kürzer als erwartet, und genau sie bestimmt die Auswahl.
- Wo liegt die Rechnungsstellung künftig? Diese Frage entscheidet zwischen awork und allem anderen.
- Gibt es Materialwirtschaft? Wenn ja, ist keine der Cloud-Alternativen ein vollständiger Ersatz.
- Wer verantwortet die Einführung? Ohne benannte Zuständigkeit scheitern Migrationen dieser Größenordnung zuverlässig — mehr dazu in Agentursoftware einführen.
Häufige Fragen
Welche Alternative zu easyJOB ist die beste? Es gibt keine pauschal beste. Für die meisten mittelgroßen Agenturen ohne Materialwirtschaft ist MOCO die naheliegendste Wahl, weil es Controlling und Abrechnung mitbringt und deutlich einfacher zu bedienen ist. Ein Direktvergleich der beiden steht in awork vs. MOCO vs. easyJOB.
Ist ein Wechsel von einem ERP zu einer Cloud-Lösung realistisch? Ja, wenn die genutzten Module überschaubar sind. Der Aufwand liegt weniger in der Software als in der Prozessanpassung und der Datenmigration. Rechne mit mehreren Monaten Parallelbetrieb.
Was kosten die Alternativen im Vergleich? Die Cloud-Alternativen liegen zwischen 12 € und 30 € pro Nutzer und Monat. Für eine Agentur mit 20 Personen sind das rund 2.900 bis 7.200 € Lizenzkosten im Jahr. easyJOB wird individuell kalkuliert; ein direkter Preisvergleich ist deshalb nur mit einem konkreten Angebot möglich.
Können wir Daten aus easyJOB exportieren? Grundsätzlich ja, der Umfang hängt von Version und Konfiguration ab. Kläre vor der Entscheidung mit dem Anbieter, welche Datensätze in welchem Format herausgehen — insbesondere Zeiten, Projekte und Rechnungshistorie.
Gibt es eine Alternative mit Materialverwaltung? Unter den hier verglichenen Cloud-Lösungen nicht. Wenn Messebau, Print oder Eventlogistik zum Geschäft gehören, bleibt der Vergleich auf andere ERP-Systeme beschränkt — oder auf eine Kombination aus schlanker Agentursoftware und separater Warenwirtschaft. Eine Übersicht der Gesamtlandschaft findest du in unserem Vergleich der Agentursoftware.
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